covent garden – Presse

17. August 1997

Pop im Zeichen des Apfels
„Covent Garden“ aus Bremen legen ein knackiges Album nach


Von Arne Schumacher
Sie machen „britische Popmusik“. Also Britpop? Mitnichten. Von dem Trend-Etikett wollen „Covent Garden“ nichts wissen. Aus gutem Grund, wie das Album „Stay“ unterstreicht.
„Wir alle sind von britischem Gitarren- und Keyboard-Pop fasziniert.“ Drummer Lars Eickhoff gerät fast ins Schwärmen. „Trotzdem klingen wir einfach nicht wie aktuelle Britpop-Bands.“ Ein Versuch, auf den Zug aufzuspringen, würde da nur opportunistisch wirken, zumal für eine deutsche Band. „Covent Garden“ haben andere Vorlieben. So läßt der hymnische CD-Opener (das Plattenlabel, ein Ableger von Starfish Music, heißt Sound Of London!) an Bands wie die „Simple Minds“ denken, erweitert um eine Flöte.
Bandfoto
Bremer im Inselfieber: „Covent Garden“.
Als Sänger Frank Fiedler die Gruppe Ende der Achtziger ins Leben rief, war von Britpop noch keine Rede. Die jetzige Sextett-Besetzung hält seit fünf Jahren - nur Gitarrist Sven Lücking stieß später dazu. Die sieben Songs von „Stay“ präsentieren eine gereifte, souveränere Band, die dynamischer und leidenschaftlicher auftritt als früher. Zwischendurch schwelgt Frank mit wohlgewogenem Pathos in einer Pop-Ballade, oder er singt - einmal mehr - auf Spanisch.
Warum dieses Mittelding, ein Mini-Album mit 28 Minuten Spieldauer? „Wir wollten ursprünglich eine Maxi rausbringen, aber dann konnten wir uns von keinen der sieben Songs trennen.“ Sechs davon nahmen „Covent Garden“ im Tepa-Tape-Studio OHZ auf. Für den Titeltrack gönnten sich die Bremer zwei Tage im Peppermint Park Studio zu Hannover, bewährte Adresse für Gruppen wie „Fury in The Slaughterhouse“. Eine lohnende Erfahrung, nicht nur unter Sound-Aspekten. Lars: „Das ist vor allem eine emotionale Sache. Die Arbeits-Atmosphäre ist eine völlig andere. Man setzt sich selbst stärker unter Druck.“
stay - Cover

Ob „Covent Garden“ mit „Stay“ (übrigens im originellen „Früchte“-Design mit knartschgrünem Apfel und Dosen-Ananas) endlich auch überregional etwas bewegen, muß sich zeigen. „Das kann man nicht planen. Wir hoffen auf Zufälle, haben uns aber einiges vorgenommen.“

Zeitungsartikel aus dem Kurier am Sonntag / Weser Kurier, Bremen.
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors.


10. September 1995

Große Gefühle
„Covent Garden“-CD in den Läden


Von Arne Schumacher
Die Aufmachung der CD sticht ins Auge. Auf die Covergestaltung haben „Covent Garden“ viel Sorgfalt verwandt. Der gleiche Sinn fürs Detail steckt in den Stücken. Die Bremer Popband war reif für ihr Plattendebüt.
CD-Cover
Ein Meer gemalter Orchideenblüten. In der Mitte ein uraltes Foto: die Aufnahme eines kleinen Mädchens, das durch die Meeresbrandung stapft. „Nostalgisch, ein bißchen melancholisch“ sollte das Arrangement wirken. Das Ölgemälde gab die Band bei Olaf Kock in Auftrag, die historischen Fotografien im CD-Heftchen, allesamt von Anfang des Jahrhunderts, stammen aus Familien-Alben.
Für Sänger Frank Fiedler hat all das etwas Romantisches. Und genau diese Qualität ist ein wesentliches Moment der Musik. Für deren Beschreibung zaubert Frank im Handumdrehen ein paar druckreife Begriffe hervor: „frisch, handgemacht, wild, zärtlich” - so oder ähnlich wird es demnächst in der offiziellen Pressemappe stehen, mit der „Covent Garden“ ihr CD-Debüt Verlagen und Plattenfirmen anbieten wollen.
Trotz der Euphorie der ersten Verkaufstage - die Resonanz in Bremer Plattenläden gab allen Grund zur Freude - macht sich das Sextett vorerst keine großen Illusionen. „Wichtig ist uns das Feedback der Firmen, auch die Kritik wie man uns dort im Augenblick einschätzt.“ Die Bremer klingen bewußt britisch.
Ihr Sound ist eine Popmusik der großen Gefühle, der schwärmerischen Gesten, der gepflegten Nachdenklichkeit, auch des Pathos und der Sentimentalität. Vier der neun Studiosongs hatten „Covent Garden“ schon für ihre MC „Stations“ aufgenommen. Der Unterschied zu den alten Fassungen ist deutlich hörbar. Für die CD wurde kräftig nachgefeilt. Doch die Präzision mündete zum Glück nicht ins Sterile.
Stefan Palazzo drückt neben Klavier- und Keyboardtasten auch mal ein Akkordeon. Gitarrist Sven Lücking zupft auch eine Akustische. Kirsten König setzt passende Flöten-Akzente. Bassist Michael Scheuer und Drummer Lars Eickhoff tragen das ihre zum lebendigen Eindruck dar. Frank Fiedler singt gewohnt emphatisch - einen Text zur Abwechslung in Spanisch („La mentira“). Um zu unterstreichen, daß der Sound live „noch mehr Atmosphäre hat“, wurden zwei Titel drangehängt, die bei der „School In“-Fete im September '94 im Modernes aufgenommen wurden, Titel mit erstaunlich guter Klangqualität.
Bandfoto
Romantisch aus Bremen: „Covent Garden“

Rund 12 000 Mark hat die Band in ihr Plattenprojekt investiert. In den Läden steht die CD für knapp 25 Mark. „Wir müssen uns am Markt orientieren. Wir wollen kein Geld verdienen, sondern daß möglichst viele Leute die Platte kaufen und nicht von einem hohen Preis abgeschreckt werden.“ Das Record-Release-Konzert findet übrigens erst im Oktober statt - am Freitag, dem 13. (BGH Hemelingen).

Zeitungsartikel aus dem Kurier am Sonntag / Weser Kurier, Bremen.
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Autors.



In the pool
Sven, Kirsten, Michael, Frank, Lars und Stefan im Pool (v.l.n.r.)


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